Ein geschwungenes Dach, spitze Bögen und mehrere Reihen steinerner Stufen: Wer in Hofwil bei Münchenbuchsee vor dieser ungewöhnlichen Anlage steht, denkt vielleicht an ein kleines Freilichttheater. Doch hier wurde einst geschwommen. Das sogenannte «Römerbedli» gehört zu den frühesten künstlich angelegten Schwimmbädern der Schweiz – und seine Entstehung hat einen tragischen Hintergrund.
Ein Unglück im Moossee gab den Anstoss
Im frühen 19. Jahrhundert betrieb der Berner Pädagoge Philipp Emanuel von Fellenberg in Hofwil mehrere Schulen. Körperliche Bewegung gehörte zu seinem Bildungskonzept, und die Schüler gingen unter anderem im nahen Moossee baden. Als dort ein Zögling des höheren Instituts ertrank, liess Fellenberg einen eigenen Badeweiher anlegen, in dem das Schwimmen unter kontrollierteren Bedingungen möglich sein sollte.
Die Anlage wird üblicherweise auf 1822/23 datiert, auch wenn das genaue Baujahr historisch nicht zweifelsfrei belegt ist. Damit entstand sie zur selben Zeit wie die Akademische Badeanstalt im Berner Marzili und zählt zu den frühesten künstlichen Badeanlagen des Landes. Sie war also kein römisches Bad – der Name «Römerbedli» ist lediglich ein volkstümlicher Übername.
Ein Schwimmbad mit Arkaden und Sprungplattform
Das ursprüngliche Becken war kreisrund, wurde von einer Quelle gespeist und verfügte über einen Springbrunnen. Eine Plattform mit Leiter ermöglichte Sprünge ins Wasser. Der elegante Badepavillon schmiegte sich mit seinen Spitzbogenarkaden an die Rundung des Beckens; an den Enden befanden sich Umkleidebereiche.
Besonders auffällig sind die Arkaden im gotisierenden Biedermeierstil, die dem Ort bis heute sein unverwechselbares Aussehen geben. Was heute wie eine kleine Zuschauertribüne wirkt, hatte früher einen ganz praktischen Zweck: Hier konnten sich Badegäste aufhalten und das Geschehen im Wasser verfolgen.
Eine Badeanstalt – aber nicht für alle
Die Geschichte hat auch eine soziale Seite. Während die Jungen des höheren Instituts die neue Badeanlage nutzen konnten, mussten die Schüler der sogenannten Wehrlischule, an der Kinder aus armen Verhältnissen unterrichtet wurden, weiterhin im Moossee baden. Dieser Unterschied ist in den Erinnerungen des ehemaligen Hofwiler Schülers Johann Konrad Zellweger überliefert und zeigt, wie stark sich Bildung und Lebensbedingungen damals nach sozialer Herkunft unterschieden.
Seit 1971 bleibt das Becken trocken
Der Badeweiher wurde später auch vom Lehrerseminar Hofwil genutzt. 1971 endete der Badebetrieb, weil die Anlage den Anforderungen des modernen Schwimmunterrichts nicht mehr genügte. Der denkmalgeschützte Badepavillon wurde 1982 restauriert, und 1991 zeichnete man die Form des ehemaligen Beckens mit vorgefertigten Betonelementen nach – ohne es erneut mit Wasser zu füllen.
Heute erinnert die Anlage an eine Zeit, in der Schwimmen keineswegs selbstverständlich war und pädagogische Pioniere neue Wege gingen. Wer den Ort von aussen betrachtet, sieht deshalb mehr als eine hübsche historische Kulisse: Es ist ein Stück Schweizer Schul-, Sport- und Sozialgeschichte. Wichtig für einen Besuch: Für das Gelände sind Zutrittsbeschränkungen dokumentiert; die Signalisation vor Ort ist unbedingt zu respektieren.
