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Aufzüge sind für Menschen gebaut. In Mühleberg bei Bern steigen jedoch auch Barben, Seeforellen und andere Aarefische ein. Seit 2021 bringt sie ein Fischlift beim Wasserkraftwerk rund 20 Meter nach oben und spült sie anschliessend in den Wohlensee.

Ein Kraftwerk steht mitten in der Wanderroute

Fische bleiben nicht einfach dort, wo sie geschlüpft sind. Sie wandern zum Laichen, suchen Nahrung, erschliessen neue Lebensräume oder ziehen an geeignete Orte zum Überwintern. Ein Wehr, das quer im Fluss steht, kann diesen Weg vollständig versperren.

Genau das geschieht am Wasserkraftwerk Mühleberg. Das historische Kraftwerk staut die Aare zum Wohlensee, zwischen Unter- und Oberwasser liegen ungefähr 20 Höhenmeter. Was für die Stromproduktion funktioniert, ist für einen flussaufwärts wandernden Fisch ohne Hilfe unüberwindbar.

Warum keine gewöhnliche Fischtreppe?

Meist werden solche Hindernisse mit einem technischen oder naturnahen Gerinne umgangen. Darin schwimmen die Tiere durch mehrere aufeinanderfolgende Becken und bewältigen die Höhe in kleinen Etappen. In Mühleberg ist das Wehr dafür besonders hoch und neben dem bestehenden Kraftwerk fehlt der nötige Platz.

Die Lösung erinnert deshalb eher an einen Warenlift. Die Anlage wurde in das denkmalgeschützte Kraftwerksgebäude integriert und zählt mit ihrer Höhe zu den grössten Fischliften Europas. Von aussen bleibt die historische Architektur weiterhin erkennbar.

So finden die Fische den Lift

Unterhalb des Kraftwerks erzeugen Pumpen in zwei Einstiegskanälen eine gleichmässige Lockströmung. Fische orientieren sich an dieser Strömung und gelangen dadurch zum Fuss des Liftschachts. Dort schwimmen sie in eine mit Wasser gefüllte Wanne, den sogenannten Reusenkorb.

Sobald der Korb geschlossen ist, zieht ihn eine Winde ungefähr 20 Meter nach oben. Am oberen Ende werden die Tiere nicht herausgenommen: Wasser spült sie automatisch über eine Rinne in den Wohlensee. Der gesamte Weg bleibt damit für die Fische ein Transport im Wasser.

Eine Wanne mit ordentlich Tragkraft

Das BKW-Faktenblatt nennt für den Lift eine Höhe von rund 22 Metern und eine maximale Last von 2,5 Tonnen. Die Wanne misst ungefähr 1,66 auf 2,30 Meter und ist gut zwei Meter hoch. Damit ist sie deutlich mehr als ein kleiner Metallkorb für einzelne Forellen.

Als Leitfischarten dienten bei der Planung Lachs, Seeforelle und Barbe. An ihnen orientieren sich unter anderem Beckengrösse, Steigung und Fliessgeschwindigkeit der Einstiegskanäle. Die Anlage soll aber möglichst vielen in der Aare lebenden Fischarten offenstehen.

Kameras zählen die Passagiere

Ob die Tiere den ungewöhnlichen Weg tatsächlich annehmen, wird nicht dem Zufall überlassen. Kameras beobachten die Fische in den Einlaufkanälen und in der Wanne; ihre Wanderungen werden statistisch erfasst. Mit diesen Daten lässt sich die Anlage kontrollieren und laufend besser einstellen.

Die Technik ist nötig, weil ein Fischlift anders funktioniert als eine durchgehend schwimmbare Fischtreppe. Die Tiere müssen den Eingang finden, in den Korb gelangen und auf den nächsten Hub warten. Lockströmung, Hubrhythmus und Bauform entscheiden deshalb mit darüber, wie gut das System funktioniert.

Hinauf ist heute einfacher als hinunter

Der Fischlift löst in Mühleberg vor allem den Aufstieg von der Aare in den Wohlensee. Für den Weg flussabwärts braucht es andere Lösungen, damit die Tiere nicht in die Turbinen geraten. Im Rahmen der geplanten Gesamterneuerung will die BKW engere Rechen, eine fischfreundlichere Turbine und einen neuen Bypass einbauen.

Die Arbeiten am Kraftwerk sollen nach aktueller Planung 2028 beginnen. Der neue Bypass für den Fischabstieg ist zusammen mit der ersten Erneuerungsetappe für 2030 vorgesehen. Der bestehende Lift bleibt damit Teil eines grösseren Umbaus der Fischwanderwege.

Warum das Thema die ganze Schweiz betrifft

Der Lift in Mühleberg ist spektakulär, das Problem dahinter aber alltäglich. Laut Bundesamt für Umwelt gelten in der Schweiz rund 1000 Hindernisse bei Wasserkraftanlagen als sanierungsbedürftig, weil sie den Auf- oder Abstieg von Fischen beeinträchtigen. Bestehende Anlagen müssen die notwendigen Massnahmen grundsätzlich bis 2030 umsetzen.

Nicht überall wird dafür ein Lift gebaut. Je nach Höhe, Platz, Fischarten und Strömung kommen Gerinne, Umgehungsgewässer, Rechen oder Bypässe infrage. Mühleberg zeigt, wie ungewöhnlich eine Lösung werden kann, wenn ein altes Kraftwerk, wenig Raum und ein rund 20 Meter hohes Wehr zusammenkommen.

Das eigentlich Heftige: Während oben Strom für die Region Bern produziert wird, wartet unten womöglich eine Barbe auf den nächsten Lift. Sie braucht weder Knopf noch Ticket – nur die richtige Strömung.

Recherchestand: 19. Oktober 2026. Das Beitragsbild ist ein KI-Symbolbild und zeigt die Funktionsweise redaktionell vereinfacht.

Quellen