Die Schweiz hat eine zweite Zeitzone
Sie beginnt nicht geografisch, sondern ungefähr dann, wenn die meisten Menschen ins Bett gehen. In Spitälern wechseln Teams, Lastwagen rollen zu Verteilzentren, Zeitungen werden produziert, Brotteige vorbereitet, Strassen gereinigt und Notrufzentralen besetzt.
Diese Arbeit fällt kaum auf, weil ihr bestes Ergebnis oft darin besteht, dass am Morgen alles normal wirkt.
Schichtarbeit ist kein Randphänomen
Das Bundesamt für Statistik zeigte für den Zeitraum 2002 bis 2022 einen Anstieg des Anteils der Schichtarbeitenden von 14,3 auf 15,9 Prozent. Ein Teil davon arbeitet auch nachts. Männer waren in den ausgewerteten Daten etwas häufiger in Schichtmodellen mit Nachtarbeit, Frauen häufiger in wechselnden Schichten ohne Nachtarbeit.
Nachtarbeit ist gesetzlich speziell
Das Schweizer Arbeitsgesetz behandelt Nacht- und Sonntagsarbeit nicht wie normale Tagesarbeit. Grundsätzlich ist sie eingeschränkt beziehungsweise bewilligungspflichtig, sofern keine gesetzliche Ausnahme gilt. Für regelmässige Nachtarbeit bestehen zudem besondere Schutz- und Ausgleichsregeln.
Der Anteil der Schichtarbeitenden in der Schweiz stieg laut BFS zwischen 2002 und 2022 von 14,3 auf 15,9 Prozent.
Der Körper findet Nacht weniger romantisch als die Stadt
Nacht- und Schichtarbeit kann Schlaf, Gesundheit und soziales Leben belasten. Das SECO weist ausdrücklich auf gesundheitliche Belastungen hin. Wer 25 oder mehr Nachteinsätze pro Jahr leistet, hat Anspruch auf regelmässige medizinische Untersuchung und Beratung.
Warum wir sie trotzdem brauchen
Viele Systeme können nicht um 22 Uhr ausgeschaltet werden. Ein Spital, eine Feuerwehr oder ein Bahnnetz funktioniert nicht nach Ladenöffnungszeiten. Andere Branchen nutzen die Nacht, weil Logistik, Produktion oder Reinigung dann effizienter möglich sind.
Das unsichtbare Morgen
Wenn du morgens um sieben frisches Brot kaufst, eine saubere Bahnhofshalle betrittst oder im Spital jemanden antriffst, der schon seit Stunden arbeitet, siehst du das Ende einer Nachtschicht – nicht ihren Anfang. Vielleicht ist das die heftigste Eigenschaft dieser Arbeit: Wir merken sie vor allem dann, wenn sie einmal nicht gemacht wird.
Was davon wichtig ist
Dieser Beitrag bildet den recherchierten Stand vom 12. August 2026 ab. Preise, Zuständigkeiten und kantonale oder kommunale Regeln können sich ändern. Wo es auf den Einzelfall ankommt, ist die jeweils zuständige Behörde oder Institution massgebend.