Du leerst dein Portemonnaie und drehst einen Zehnräppler zwischen den Fingern. Auf der einen Seite steht die vertraute 10, auf der anderen eine Jahreszahl, bei der du zweimal hinschaust: 1879. Ein Stück fürs Museum? Vielleicht – aber nicht zwingend ein Stück, das als Geld ausgedient hat.
Die Schweizerische Nationalbank bestätigt ausdrücklich, dass Zehnrappenmünzen aus diesem Prägejahr noch immer im Umlauf sind und weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. Im Jahr 2026 liegen zwischen damals und heute 147 Jahre. Kaum ein Gegenstand, den wir im Alltag so achtlos weiterreichen, verbindet so selbstverständlich zwei weit auseinanderliegende Epochen.
Alt zu sein macht eine Münze nicht ungültig
Entscheidend ist nicht allein das Datum auf dem Metall. In der Schweiz entscheidet der Bundesrat, welche Umlaufmünzen geprägt, ausgegeben oder ausser Kurs gesetzt werden. Ein gültiger Münztyp verliert seinen Status also nicht einfach, weil ein bestimmtes Exemplar ein hohes Alter erreicht.
Beim Zehnräppler von 1879 trifft genau das zu. Sein Nennwert beträgt weiterhin zehn Rappen. Das sagt zunächst nur etwas über seinen Wert als Zahlungsmittel aus – nicht darüber, welchen Preis jemand für ein bestimmtes Exemplar in einer Münzsammlung bezahlen würde.
Ein vertrautes Gesicht seit dem 19. Jahrhundert
1879 erhielt der Zehnräppler jene Gestaltung, die wir bis heute kennen. Die von Karl Schwenzer entworfene Kopfseite zeigt Libertas, die Personifikation der Freiheit; zugleich wechselte die Münze damals zu Kupfernickel und einem Gewicht von drei Gramm. Die frühere Ausführung hatte anders ausgesehen und war leichter gewesen.
Swissmint hielt bei der Bekanntgabe eines Guinness-Rekords am 13. April 2021 fest, dass Bild- und Wertseite seit 1879 abgesehen von der Jahreszahl gleich aussehen. Guinness führt die Auszeichnung unter dem Titel «Oldest coin design still in circulation». Gemeint ist damit die aussergewöhnliche Beständigkeit eines Münzdesigns im Zahlungsverkehr, nicht die älteste jemals gefundene Münze.
Silberfarben heisst nicht aus Silber
Der heutige Zehnräppler besteht gemäss den technischen Angaben von Swissmint zu 75 Prozent aus Kupfer und zu 25 Prozent aus Nickel. Er wiegt drei Gramm, misst 19,15 Millimeter im Durchmesser und besitzt einen glatten Rand. Seine silbrige Farbe ist also kein Beweis für einen Edelmetallschatz.
Diese nüchternen Angaben passen zu einem Geldstück, das vor allem handlich und wiedererkennbar sein soll. Die kleine Zahl in der Mitte kennen wir, ohne lange darüber nachzudenken. Erst die Jahreszahl auf der anderen Seite macht sichtbar, wie weit die Geschichte eines einzelnen Stücks zurückreichen kann.
Aber nicht jedes alte Schweizer Münzstück gilt noch
Vom Zehnräppler lässt sich keine Regel für die ganze Münzschublade ableiten. Die früheren silberfarbenen Fünfrappenstücke wurden beispielsweise auf den 1. Januar 1984 ausser Kurs gesetzt. Die Nationalbank nimmt diese trotzdem zeitlich unbegrenzt zum Nennwert zurück, weil sie in Grösse und Münzbild den gültigen Stücken entsprechen.
Auch bestimmte ältere Silbermünzen vom Fünfzigräppler bis zum Fünfliber sind längst ausser Kurs, können aber weiterhin bei der SNB zum Nennwert umgetauscht werden. Bei den Zweirappenstücken ist dagegen auch die Rücknahmefrist abgelaufen. Das Merkblatt der Nationalbank zeigt damit drei unterschiedliche Situationen: noch gültig, nicht mehr gültig, aber umtauschbar – oder ohne verbleibenden Umtauschanspruch.
Zehn Rappen sind nicht automatisch der Sammlerpreis
Die Gültigkeit beantwortet nicht die Frage, ob ein altes Exemplar für Sammler interessant ist. Umgekehrt kann eine ausser Kurs gesetzte Münze einen Sammlerwert haben, obwohl sie an der Kasse nicht mehr als Zahlungsmittel gilt. Aus einer alten Jahreszahl allein lässt sich deshalb kein seriöser Verkaufspreis ableiten.
Die SNB weist darauf hin, dass sie keine Bewertungen für Sammler vornimmt und nicht mit ausser Kurs gesetzten Münzen handelt. Wer ein Fundstück einschätzen lassen möchte, braucht dafür eine numismatische Beurteilung. Ein historisches Stück zum Nennwert umzutauschen und es als Sammlerobjekt zu verkaufen sind zwei verschiedene Vorgänge.
Ein kleiner Blick auf die Jahreszahl lohnt sich
Der Reiz dieser Geschichte liegt auch ohne möglichen Verkaufserlös auf der Hand. Ein Zehnräppler kann aus einer Zeit stammen, die für uns sonst vor allem in alten Fotografien und Geschichtsbüchern vorkommt. Welche Hände ein einzelnes Stück seitdem durchlaufen hat, lässt sich an seinen Kratzern allerdings nicht ablesen.
Beim nächsten Griff ins Münzfach lohnt sich deshalb ein kurzer Blick auf die Rückseite. Vielleicht liegt dort nur ganz gewöhnliches Kleingeld. Vielleicht aber auch ein kleines Stück Schweizer Geldgeschichte, das seinen ursprünglichen Zweck noch immer erfüllt.
