Veröffentlicht

Banknoten sind robust, aber nicht unzerstörbar.

Sie können zerreissen, mitgewaschen werden, verschimmeln, verbrennen oder in kleine Stücke zerfallen. Und plötzlich stellt sich eine sehr praktische Frage:

Ist eine kaputte Banknote noch 100 Franken wert?

In vielen Fällen: ja.

Die Schweizerische Nationalbank hat dafür ziemlich genaue Regeln.

Zerrissen heisst nicht wertlos

Die SNB ersetzt beschädigte Schweizer Banknoten grundsätzlich zum Nennwert, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Das aktuelle Merkblatt der Nationalbank vom 20. April 2026 nennt zwei Fälle, in denen der Umtausch in der Regel sofort erfolgen kann:

  • Ein einzelnes Stück ist grösser als die Hälfte der Banknote und die Seriennummer ist vollständig erkennbar.
  • Oder zwei einzelne Teile ergeben zusammen mehr als die Hälfte der Banknote und auf beiden ist dieselbe Seriennummer erkennbar.

Eine Note muss also nicht mehr schön aussehen. Entscheidend ist, ob die Nationalbank ihre Echtheit und Zugehörigkeit genügend sicher feststellen kann.

Warum gerade mehr als die Hälfte?

Die Hälfte ist keine zufällige Grenze.

Würde die Nationalbank zwei beliebige Hälften einer Banknote jeweils zum vollen Nennwert ersetzen, könnte aus einer einzigen Note theoretisch zweimal Geld werden.

Darum muss klar sein, dass tatsächlich der überwiegende Teil einer konkreten Banknote vorliegt. Die Seriennummer hilft zusätzlich dabei, Teile derselben Note einander zuzuordnen.

Eine halb zerstörte 100-Franken-Note kann noch 100 Franken wert sein. Zwei Personen mit je einer Hälfte sollen daraus aber nicht 200 Franken machen können.

Und wenn die Note verbrannt ist?

Dann wird es komplizierter.

Die SNB nennt ausdrücklich Brand und Vermoderung als mögliche Ursachen für beschädigte Banknoten. Auch verkohlte Fragmente oder sogar Aschenreste können zur Prüfung eingereicht werden.

Bei stark beschädigten oder schwer rekonstruierbaren Beständen kann die Untersuchung allerdings mehrere Monate dauern.

Deshalb gilt: Reste möglichst nicht auseinandernehmen oder reinigen. Auch kleinste Fragmente sorgfältig aufbewahren.

Komplett verbrannt ist etwas anderes

Die SNB unterscheidet zwischen einer beschädigten und einer vernichteten Banknote.

Für beschädigte Banknoten kann Ersatz geleistet werden. Für vollständig vernichtete, verlorene oder gefälschte Banknoten dagegen nicht.

Wenn nach einem Brand noch Fragmente vorhanden sind, kann die Nationalbank versuchen, die Note zu rekonstruieren und ihre Echtheit festzustellen. Ist überhaupt nichts mehr vorhanden, lässt sich keine Banknote mehr prüfen.

Was passiert mit einer Note aus der Waschmaschine?

Eine mitgewaschene Banknote ist normalerweise ein einfacherer Fall, sofern sie noch vorhanden und als echt erkennbar ist.

Wasser, Waschmittel, Hitze oder mechanische Belastung können eine Note zwar beschädigen. Für den Ersatz ist aber nicht entscheidend, ob sie noch schön aussieht, sondern ob sie geprüft werden kann.

Beschädigte echte Noten, die zur SNB gelangen, werden nach der Echtheitskontrolle nicht wieder in Umlauf gesetzt.

Kann ich die Note einfach mit Klebeband reparieren?

Entscheidend ist, welche Originalteile vorhanden sind.

Wer mehrere Fragmente besitzt, sollte vor allem darauf achten, nichts zu verlieren. Gerade bei stark beschädigten Banknoten empfiehlt sich eher eine sorgfältige Verpackung als eine aufwendige Bastelarbeit.

Wo kann man beschädigte Banknoten umtauschen?

Am Schalter

Beschädigte Banknoten können bei den Kassenstellen der Nationalbank in Bern oder Zürich sowie bei ihren Agenturen abgegeben werden.

Bei stark beschädigten, verbrannten oder vermoderten Banknoten empfiehlt die SNB ausdrücklich diesen Weg.

Per Post

Auch eine Einsendung ist möglich:

Schweizerische Nationalbank
Kasse West
Bundesplatz 1
3003 Bern

Die Banknoten und sämtliche Fragmente müssen sorgfältig verpackt werden. Die SNB übernimmt für den Versand keine Haftung.

Einfach Banknote in einen Umschlag und fertig?

Nein.

Zusammen mit beschädigten Banknoten muss zwingend das «Gesuch für den Ersatz beschädigter Banknoten» eingereicht werden. Je nach Fall können zusätzliche Angaben oder ein Herkunftsnachweis verlangt werden.

Bei einer Einsendung per Post wird der Gegenwert auf ein Bank- oder Postkonto überwiesen.

Kostet der Umtausch etwas?

Grundsätzlich erfolgt der Umtausch beschädigter Banknoten kostenlos.

Eine spezielle Ausnahme gibt es bei Banknoten, die durch Sicherheitssysteme verfärbt wurden. Bei einer versehentlichen Auslösung oder unsachgemässen Behandlung eines Sicherheitskoffers können bei Banknoten der 9. Serie Herstellungskosten von 40 Rappen pro Note verrechnet werden.

Was macht die Nationalbank danach mit der kaputten Note?

Sie kommt nicht zurück in den Zahlungsverkehr.

Echte Noten in gutem Zustand gehen zurück in Umlauf. Echte, aber beschädigte oder verschmutzte Noten werden vernichtet.

Die Nationalbank hat 2024 insgesamt 30,1 Millionen beschädigte oder zurückgerufene Banknoten vernichtet.

Die eigentliche Überraschung

Eine Banknote ist nicht deshalb 100 Franken wert, weil das Stück Material perfekt erhalten ist.

Ihr Wert hängt daran, dass sie als echte Schweizer Banknote identifiziert werden kann und die Voraussetzungen für einen Ersatz erfüllt sind.

Darum kann ein verkohlter Rest noch Geld wert sein – während eine vollständig verbrannte 1000-Franken-Note tatsächlich nur noch Asche sein kann.

Nicht der Zustand allein entscheidet. Entscheidend ist, was sich noch beweisen lässt.

Weiterlesen

Alte Schweizer Banknoten können ein ganz anderes Problem haben: Sie sind vollkommen unbeschädigt, aber längst aus dem Alltag verschwunden. Was mit ihnen passiert, erklären wir hier: Wo landen eigentlich alte Schweizer Banknoten?

Recherchestand

21. August 2026. Grundlage sind insbesondere das Merkblatt der Schweizerischen Nationalbank zum Umtausch beschädigter Banknoten mit Stand vom 20. April 2026 sowie die aktuellen Informationen der SNB zur Bargeldversorgung.