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Auf dem Handy genügt ein Blick, und schon wissen wir, ob morgen Regen droht. Hinter dieser bequemen Wetterwelt steckt aber auch eine überraschend handfeste Arbeit: In Payerne im Kanton Waadt lässt MeteoSchweiz zweimal täglich einen Wetterballon steigen. Unter seiner Hülle reist eine kleine Messbox durch die Atmosphäre – viel höher, als ein normales Passagierflugzeug fliegt.

Das klingt nach Technik aus einer anderen Zeit. Tatsächlich liefern solche Flüge bis heute wichtige Informationen für Wetterprognosen und Klimaforschung. Denn zu wissen, wie es unten auf dem Parkplatz aussieht, reicht nicht, um die Luft darüber zu verstehen.

Das Wetter hat mehr als ein Stockwerk

Eine Bodenstation kann Temperatur, Wind und Feuchtigkeit an ihrem Standort sehr genau erfassen. Sie zeigt aber nicht, ob darüber eine warme Luftschicht liegt, die Luft besonders trocken ist oder der Wind plötzlich aus einer anderen Richtung weht. Für diese Fragen braucht es Messungen in verschiedenen Höhen.

Genau darum geht es bei einer Radiosondierung. Aus vielen Messpunkten während des Aufstiegs entsteht ein Profil der Atmosphäre: ein Blick durch ihre Stockwerke statt nur auf ihr Erdgeschoss. Wie MeteoSchweiz erklärt, helfen solche Profile unter anderem dabei, die Stabilität der Luft, mögliche Wolkenschichten und die Windverhältnisse für die Luftfahrt zu beurteilen.

Zwei Starts nach der Weltuhr

Für die regulären Starts in Payerne nennt MeteoSchweiz 11 und 23 Uhr UTC. Das entspricht in der Schweiz während der Winterzeit 12 Uhr mittags und Mitternacht, während der Sommerzeit 13 und 1 Uhr. Wer nur «mittags und mitternachts» liest, sollte deshalb die Zeitzone mitdenken.

Diese Taktung ist Teil einer internationalen Zusammenarbeit. Wetterdienste auf der ganzen Welt stimmen ihre Beobachtungen zeitlich ab und tauschen Messdaten aus. Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt ein Netz von rund 1000 Höhenmessstationen, von denen mehr als zwei Drittel Beobachtungen zu 00 und 12 Uhr UTC durchführen; die Ballone starten dafür bereits vorher.

So entsteht kein rein schweizerisches Wetterbild, sondern ein international abgestimmter Blick auf die Atmosphäre. Für die regulären zwei täglichen Flüge ergeben sich rechnerisch rund 730 Starts pro Jahr. Dazu können spezielle Forschungs- und Zusatzmessungen kommen.

Die eigentliche Arbeit macht die kleine Box

Der Ballon ist vor allem das Transportmittel. Die darunter befestigte Radiosonde erfasst Temperatur und Luftfeuchtigkeit; über ihre GPS-Position lassen sich unter anderem Höhe und Wind bestimmen. Ihre Daten funkt sie schon während des Flugs an die Bodenstation.

In Payerne sind die Ballone mit Wasserstoff gefüllt und steigen laut MeteoSchweiz ungefähr fünf Meter pro Sekunde. Nach rund zwei Stunden erreichen sie typischerweise 30 bis 35 Kilometer Höhe. Die kleine Box ist dann längst in der Stratosphäre unterwegs, während am Boden aus ihren Signalen ein detailliertes Messprofil entsteht.

Warum der Ballon am Ende platzt

Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab. Das Gas im Ballon dehnt sich aus, die Hülle wird immer stärker gedehnt und reisst schliesslich. Das Platzen ist deshalb kein überraschender Defekt, sondern das übliche Ende des Aufstiegs.

Ein Fallschirm bremst anschliessend den Rückweg der Sonde. Weil der Wind das ganze Gespann während der Reise verfrachtet, liegt der Landeort nicht einfach senkrecht unter dem Startpunkt. Der amerikanische National Weather Service beschreibt für seine Sonden Flüge mit mehr als 300 Kilometern seitlicher Verdriftung – eine Grössenordnung, die erklärt, weshalb Sonden auch weit entfernt von einer Wetterstation auftauchen können.

Warum Satelliten die Ballone nicht überflüssig machen

Satelliten liefern grossflächige Informationen, beobachten Wolken und ermöglichen ebenfalls Rückschlüsse auf Temperatur und Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Radiosonden messen dagegen direkt entlang ihres Wegs durch die Luft. Diese unterschiedlichen Perspektiven ergänzen sich, statt einander einfach zu ersetzen.

Der National Weather Service nennt Sondendaten ausdrücklich als Vergleichsgrundlage für Satellitenmessungen und als Eingangsgrösse für computergestützte Wettermodelle. MeteoSchweiz betont zudem, dass gemessene Höhenprofile helfen, eine vom Modell ungenau erfasste Luftschichtung zu korrigieren. Ein leistungsfähiger Computer ist also besonders nützlich, wenn er mit guten Beobachtungen rechnen kann.

Auch die Nullgradgrenze braucht einen Blick nach oben

Ein bekanntes Ergebnis solcher Messungen begegnet uns im Wetterbericht: die Nullgradgrenze. Gemeint ist dort die Höhe in der freien Atmosphäre, an der die Temperatur den Gefrierpunkt erreicht. MeteoSchweiz unterscheidet sie ausdrücklich von einer bodennahen Nullgradgrenze, die aus Messstationen an verschiedenen Höhenlagen abgeleitet wird.

Dieser Unterschied ist wichtig, weil Gelände und Luftschichtung nicht immer dasselbe Temperaturbild ergeben. Bei einer Inversion kann es im nebligen Mittelland kalt sein, während höher gelegene Orte in milderer Luft liegen. Die Ballonmessung zeigt solche Schichten und hilft, Angaben aus der Wetterprognose einzuordnen.

Die Messung ist nicht verloren, wenn die Sonde verschwindet

Die Daten müssen nicht erst aus einer wiedergefundenen Box ausgelesen werden. Sie werden bereits unterwegs übertragen und von MeteoSchweiz gespeichert. Die Ergebnisse der letzten Sondierungen stehen öffentlich als Messdaten und als sogenannte Emagramme bereit – Diagramme, die die Verhältnisse in verschiedenen Höhen zeigen.

Trotzdem sollen die Geräte nicht im Gelände liegen bleiben. Das offizielle Merkblatt für Finderinnen und Finder erklärt, wie einfache Radiosonden korrekt entsorgt oder zurückgesendet werden können. Batterien und Elektronik gehören dabei nicht einfach in den normalen Abfall.

Sonden mit einer Ozonpumpe sind ein besonderer Fall: Diese können wiederverwendet werden und sollen deshalb an MeteoSchweiz zurückgehen. Massgebend sind die Kennzeichnung am Fundstück und die passende Anleitung. Wer eine Sonde entdeckt, sollte sich für ihre Bergung keinesfalls in Gefahr bringen.

Vielleicht segelt die Sonde künftig nach Hause

Dass nach jedem Flug Material zurückbleiben kann, ist auch für MeteoSchweiz ein Thema. Im Oktober 2024 berichtete das Bundesamt über Tests mit dem Start-up R2HOME: Ein kleiner, rund 250 Gramm schwerer Gleiter sollte die Messsonde nach dem Aufstieg automatisch zum Ausgangspunkt zurückbringen. Der Ballon übernahm weiterhin den Weg nach oben, der Gleiter den kontrollierten Rückweg.

Der damalige Bericht beschrieb zehn erfolgreiche Testflüge und vielversprechende Vergleiche mit Referenzmessungen. Das war eine Erprobung, keine Ankündigung einer bereits flächendeckend eingeführten Lösung. Das Ziel dahinter: wertvolle Messungen erhalten und zugleich weniger Geräte in der Landschaft zurücklassen.

Ein unscheinbarer Beitrag zur Wetter-App

Der Wetterballon sagt nicht allein voraus, ob es morgen bei uns regnet. Er liefert einen Teil der Beobachtungen, aus denen zusammen mit vielen anderen Messsystemen und Berechnungen eine Prognose entsteht. Gerade diese Mischung aus einfacher Auftriebskraft, präzisen Sensoren und internationaler Zusammenarbeit macht ihn so nützlich.

Was vom Boden wie ein weisser Punkt am Himmel aussieht, ist damit ein kleines Stück öffentlicher Infrastruktur. Die Reise endet zwar mit einer geplatzten Hülle. Ihr Ergebnis steckt dann aber längst in Daten, mit denen andere weiterarbeiten.

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Recherche: 16. September 2026. Bild: heftig. · KI-Symbolbild, keine Originalaufnahme der Station Payerne.